Satya
Satya ist eine weitere Tugend im Yoga und bedeutet so viel wie Wahrhaftigkeit. Wahrhaftigkeit im Yoga heißt, in Übereinstimmung mit der inneren Wahrheit zu leben. Und zwar im Denken, Sprechen und Handeln.
Wahrhaftig zu sein heißt also, die Realität nicht zu verzerren, denn das würde zu einer inneren Spaltung und Konflikt in uns führen, um die Verzerrung aufrechtzuerhalten.
Allerdings ist ahiṃsā, die Gewaltlosigkeit über die ich vergangene Woche geschrieben hatte, eine höhere Tugend. Das heißt z.B., dass man nicht die Wahrheit aussprechen muss, wenn man dadurch jemanden verletzen oder in Gefahr bringen würde.
Patañjali sagt in sutra 2.36:
"Wenn satya fest begründet ist, erlangt man die Frucht der Handlung ohne zu handeln."
Das ist die eigentliche Grundlage dessen, was heute oft als „Manifestation“ bezeichnet wird:
In Wahrheit zu leben bedeutet, in Resonanz mit der Wirklichkeit zu sein. Und was in Resonanz ist, zieht sich an.
Diese Tugenden sind dabei keine moralischen Vorschriften, sondern Werkzeuge zur Selbstreflexion: Hinweise darauf, wo wir bereits im Einklang leben und wo noch Entwicklung möglich ist.