Rāga

Rāga ist kleśa Nummer drei und heißt so viel wie Zuneigung, Verlangen, wollen, mögen, anhaften, vergnügen oder im englischen 'desire'.

Patañjali sagt in sutra 2.7:

Zuneigung ist das, was am Vergnügen haftet.

Dinge haben zu wollen oder positive Erfahrungen machen zu wollen ist Ausdruck von rāga.

Durch avidyā - die Unwissenheit - verkennen wir, dass unsere wahre Natur sat (absolutes Sein), cit (reines Bewusstsein) und ānanda (absolute Glückseligkeit) ist. Denn was ist es, das unseren Körper wahrnimmt? Was ist es, das unsere Emotionen wahrnimmt? Was ist es, das unsere Sinneseindrücke wahrnimmt? Was ist es, das unsere Gedanken wahrnimmt? All diese Dinge sind lediglich Fluktuationen im Geist, aber das Bewusstsein, dass diese Dinge beleuchtet, fluktuiert nicht.
Rāga, das Verlangen, ist die Ursache für das Ego. "Ich will", "ich habe Lust auf" etc. sind die Gedanken, die das Ich-Gefühl erschaffen. Aber wie lange hält die Zufriedenheit, wenn das, was gewollt oder verlangt wird, auch erreicht wird? Wahrscheinlich eher Minuten als Monate. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb ist rāga (zusammen mit dveśa, was im nächsten Beitrag kommt), das am schwierigsten zu überkommende kleśa. Insbesondere in unserer von Kommerzialismus und Materialismus dominierten Welt wird Glückseligkeit häufig mit Konsum in Verbindung gebracht ("Kauf dich glücklich!").

Die Lösung ist aber auch hier nicht die Unterdrückung des Verlangens. Das ist das, was die Religionen machen und gemacht haben. Nur funktioniert es nicht. Im Gegenteil führt es zu fürchterlichen Qualen oder gar Schäden an Körper und Geist.
"Der Versuch, etwas zu verdrängen ist die beste Art, ihm wieder zu begegnen" sagt Stefan in seiner Yogaordnung. Indem wir versuchen, gegen etwas zu sein, geben wir der Sache bloß Energie.

Indem wir unser Verlangen aber verstehen, ergründen und beobachten, ohne ihm nachzugeben, können wir ihm langsam Energie entziehen und diese woanders einsetzen.

Denn Energie folgt dem Bewusstsein.

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Dveśa

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Das Demokratie-Dilemma - 3: Widerstehe der Versuchung, ein neues System zu schaffen.