Śauca
Nachdem wir jetzt die fünf yamas abgehakt haben, kommen wir zu den fünf niyamas nach Patañjali. Während yama soviel wie "Zügelung", "Beherrschung" oder "Entsagung" bedeutet und eher den Umgang mit der Außenwelt regelt, heißt das Präfix "ni" so viel wie "hinein", "hinab" oder "nach unten" und gibt dem Wort "niyama" die Bedeutung der Regelung der Innenwelt.
Śauca – Reinheit & Ordnung – ist das erste der 5 niyamas.
Śauca ist äußere & innere Reinheit. Es geht also darum, eine Ordnung in der Außenwelt zu schaffen und sich besonders gut um seinen Körper zu kümmern.
Es schließt einen sattvigen, also reinen Lebensstil mit ein. So wird der physische Körper - sthūla śārira - im Yoga lediglich als Nahrungskörper angesehen, denn er besteht aus dem, was wir dem Körper zuführen.
Das heißt sattvige Nahrung, die zu einem sattvigen Körpergefühl führt, führt auch zu sattvigen Gedanken, denn unsere Gedanken sind direkt mit unserer Ernährung verbunden.
Dazu kommt die gründliche Reinigung des Körpers inklusive der kriyās des hatha yoga, die den Körper von innen reinigen und natürlich das äußere Reinigen und Pflegen des Körpers. Dazu zählen auch die āsanas oder prāṇāyāma. Der Körper wird dadurch "durchlässiger", feinfühliger und es entsteht eine Distanz zum Körper. So wie wir Gegenstände pflegen, die uns lieb sind, sollten wir auch den Körper pflegen, denn er ist eben nicht das, was wir sind, sondern lediglich ein Instrument, das wir haben.
Patañjali sagt in sutra 2.40:
Aus Reinheit entsteht Abneigung von der eigenen Körperlichkeit und Unberührtheit von Äußerem.
Und in sutra 2.41:
Auch die Fähigkeit eines reinen Charakters, Heiterkeit, Konzentration, ein Siegen über die Sinne und Sehen des wahren Selbst entsteht.
Wenn du deinen Raum, deinen Körper und deine Gedanken reinigst, entsteht letztlich Stille, die wiederum die Grundlage für inneren Tiefgang bietet.