Abhiniveśa
Kleśa Nummer fünf ist abhiniveśa und das leitet sich ab von "sich festklammern" oder "sich verbeißen" und heißt bei Patañjali so viel wie "Anhaftung am Leben" oder einfach "Angst vor dem Tod".
Patañjali sagt dazu in sutra 2.9:
"Furcht vor dem Tod (abhiniveśa) ist der sogar im Geist von Weisen verwurzelte fortgesetzte Wunsch zu leben."
Die Angst vor dem Tod entspringt, wie die anderen kleśas auch, aus Unwissenheit über unser wahres Sein. Da wir uns mit unserem Körper und den emotionalen und mentalen Modalitäten identifizieren, scheint das Leben - "unser Leben" - endlich zu sein. Endlich sind jedoch nur der Körper und dessen Modalitäten. Jeder Gedanke, jede Emotion und jedes körperliche Empfinden ist endlich, wird geboren und stirbt.
Aber das, was diese Modalitäten sichtbar macht und sieht, ist ungeboren, unveränderlich, stet und frei von Zeit und Tod.
Gleichzeitig müssen wir Patañjalis sutras immer in ihrem Kontext der tiefen Meditation sehen.
In tiefen meditativen Zuständen gibt es den Punkt, an dem man einen Egotod sterben muss, um weiter zu gehen. Die Angst davor, dass dieses Ego stirbt, hindert die Meditation und lässt uns aufschrecken. Deshalb ist es wichtig, Wissen über seine wahre Natur zu erlangen, um diese Angst überwinden zu können.
Oder wie Krishnamurti sagt:
"Selbsterkenntnis ist der Anfang von Weisheit, die das Ende der Angst bedeutet."