Asmita

Wie schon erwähnt, ist avidyā - die Unwissenheit - die Ursache für die anderen kleśas, somit auch für asmitā - die "Ichhaftigkeit" oder das "Ich-Bewusstsein". Wörtlich übersetzt wäre es die "Ich-bin-heit".
In der Betrachtung der Psyche im Yoga gibt es den sogenannten "ahaṃkāra", was wörtlich so viel heißt wie "Ich-Macher". Es ist also der Prozess der Identifikation. In sūtra 2.6 sagt Patañjali:

"Asmitā ist die Identifikation des Sehenden mit dem Werkzeug des Sehens."

Wer also sein wahres Selbst nicht kennt oder erkennt, identifiziert sich mit den Fluktuationen, die im Geist passieren. Gefühle, Gedanken, Sinneseindrücke werden zu dem, was wir sind. Durch diese Fehlidentifikation entsteht ein unstetes und wandelbares "ich", dass noch dazu von diesen Wellen im Geist (citta vṛtti) abhängig ist.
Sind die Wellen im Geist "negativ", fühlen wir uns schlecht. Sind sie "positiv" fühlen wir uns gut. Das "Sehende" ist aber immer gleich und gänzlich unberührt von dem, was es sieht. Die Wahrnehmung verändert sich nicht. Bloß das Wahrgenommene verändert sich.
So wie die Sonne immer scheint, aber der Himmel mal leicht bewölkt, komplett grau, rot, blau oder schwarz sein kann. Die Sonne hört nie auf zu scheinen, selbst wenn sie gerade nicht sichtbar ist. Genau so ist unsere wahre Natur nie beeinflusst von dem Schauspiel, dass sich abspielt. Zu erkennen, dass wir eine solche Ich-Identifikation machen und am Leben halten, ist der erste Schritt, sie abzubauen und nicht so ernst zu nehmen. Dann sind wir nicht mehr abhängig von den Fluktuationen im Geist.

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Das Demokratie-Dilemma - 3: Widerstehe der Versuchung, ein neues System zu schaffen.

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Avidyā